Bevor wir uns zu unserer Reise aufgemacht und eine Liste an Länder gesammelt haben, die wir gerne sehen würden, war Indonesien nicht dabei. Wir wollten sogar nicht wirklich nach Indonesien, weil wir oft gehört haben, dass man als Tourist eher abgezockt wird und das den gesamten Eindruck des Urlaubs so ziemlich zunichte macht.
Als wir deshalb überlegt haben, wohin wir nach Malaysia wollen, hatten wir Länder wie Vietnam, Kambodscha oder Myanmar im Kopf. Allerdings stellte sich heraus, dass das Wetter dort überall nicht mitspielt und so haben wir doch einmal ein Auge auf Indonesien geworfen – und dort herrscht keine Regenzeit im August-September. Also blieb uns fast gar nichts anderes übrig, als nach Indonesien zu fliegen, aber wir wollten nicht gleich in die Falle gehen in Bali und lieber etwas anderes machen und so kam uns die Idee nach Sumatra zu fliegen. Das Internet erzählte uns Geschichten über viel unberührte Natur, Jungle und wunderschöne Strände und so kam es, dass wir doch nach Indonesien geflogen sind.
Angekommen sind wir in Medan, im Nordosten von Sumatra und während der Taxifahrt vom Flughafen in die Stadt schüttete es gleich wie aus Eimern – eine Stunde lang. Die Straßen verwandelten sich in kleine Flüsse, das Wasser konnte nicht ablaufen und ein herabfallender Ast hat die Frontscheibe eingerissen, und wir haben uns gefragt, wo wir hier überhaupt gelandet sind.
Da wir im Vorfeld gelesen haben, dass Medan sogar eine ganz schicke Stadt sei, haben wir einen Tag dort eingeplant. Leider hat sich der Eindruck nicht wirklich bestätigt. Zu Fuß kommt man eigentlich gar nicht durch die Stadt, weil es kaum Fußwege gibt und die Autos und Roller ohne Regeln fahren. Die Zeit haben wir also eher dazu genutzt um herauszufinden, wie wir zum Jungle in Bukit Lawang kommen und eine neue Telefonkarte zu kaufen.

Am nächsten Tag ging es für uns mit dem Local Bus von Medan nach Bukit Lawang und dabei sind wir gleich in eine Tourifalle getappt. Der Bus sollte eigentlich nur 30.000 Rupiah p.P. kosten, aber sobald wir im Bus saßen, kamen gleich 5 Männer rein und haben 100k Rupiah p.P. verlangt. Da wir schon davon gelesen haben, haben wir versucht mit ihnen zu argumentieren und uns geweigert den viel zu hohen Preis zu zahlen, aber da ein paar von ihnen aggressiv wurden, haben wir am Ende doch das Geld gezahlt. Das hat sich echt blöd angefühlt und dann kamen doch wieder Zweifel hoch, ob wir die richtige Wahl getroffen haben.
In Bukit Lawang angekommen, haben die Zweifel sich aber zum Glück wieder aufgelöst. Der kleine Ort schlängelt sich an einem kleinen Flusslauf entlang und liegt direkt am Jungle des Gunung Leuser Nationalparks. Wir wurden gleich zu unserem Hotel gebracht, der Weg führte über eine kleine Schwingbrücke, am Fluss entlang und am Ende noch 300 elendig hohe Stufen hoch. Mit 20kg Gepäck hinten und vorne war das kein wirklich schönes Workout! Oben wurden wir aber gleich mit frishem Maracujasaft und einer wundervollen Aussicht auf den Jungle belohnt.



Der Weg zum „On the Rocks“ – 5 Minuten Hölle 
Bungalows sind nur vollständig mit einer Hängematte
Die Menschen waren hier auch gleich viel netter und offener und wir haben die ersten zwei Tage erst einmal dazu genutzt um die Atmosphäre aufzusaugen und den Blick auf den Jungle zu genießen. Wir bekamen sogar Besuch von einer Orang-Utan Dame, Pesek, mit ihrem Sohn. Der Kleine turnte im Restaurant herum und wollte gar nicht gehen. Es gab bis vor ein paar Jahren noch ein Orang-Utan Sanctuary in Bukit Lawang und die Affen, die dort gelebt haben, wurden ausgewildert, aber sind trotzdem noch zu sehr an Menschen gewöhnt und gerade Pesek kehrt wohl noch recht oft ins Dorf zurück.

Rafting in Bukit Lawang 🙂 

An so ein Frühstück inkl. Ausblick könnten wir uns gewöhnen! 
Der kleine Orang-Utan in der Anlage
Wir haben im Anschluss eine Jungletour mit Übernachtung gemacht und haben uns morgens um 9 Uhr mit unseren Guides auf den Weg gemacht. Die ersten Orang-Utans, die wir gesehen haben, waren dann auch wieder Pesek und ihr Kleiner, nur ca. eine halbe Stunde von unseren Bungalows entfernt. Kurz danach haben wir allerdings 3 andere Orang-Utans gesehen – ein Weibchen, ein großes Männchen und ein Kleines. Die 3 saßen ganz entspannt in einer Palme und haben gefressen, während wir ein paar Meter weiter standen und sie beobachtet haben (in einem Nest voller Blutegel…). Das Weibchen kam dann irgendwann runter und ist nur ein paar Meter an uns vorbeigegangen. Die anderen beiden kamen ihr nur ein wenig später hinterher und es war so beeindruckend zu sehen, mit welcher Leichtigkeit sie sich bewegen, sich nur an einem Arm festhalten und es dabei spielend leicht aussieht ihr gesamtes Gewicht so zu halten. Auch in den Interaktionen konnte man richtig sehen, dass sie Beziehungen aufbauen und die Mutter sich rührend um das Kleine kümmert. Wir standen bestimmt 30-40 Minuten dort und haben die drei staunend beobachtet und es war ein ganz anderes Gefühl als im Sanctuary auf Borneo.
Wir haben insgesamt auch wirklich viele Affen gesehen, insgesamt gibt es 7 Arten, die im Gunung Leuser Park wohnen und neben Orang-Utans haben wir noch Makaken, Thomas-Reed-Affen und Weißkopf-Gibbons gesehen. Die kleineren Affen waren natürlich viel agiler und schneller unterwegs als die großen Orang-Utans und sind auch in Gruppen unterwegs, die in den Baumwipfeln ihr zu Hause haben. Über steile Junglepfade ging es für uns immer wieder hoch und runter und Wong, unser Guide, hat auch ein gutes Tempo vorgelegt, zum Glück hatten wir schon etwas Übung mit Wandern im Jungle!




Das ehemalige Orang-Utan Sanktuary
Abends sind wir am Camp angekommen, das direkt am Fluss liegt und wir waren alle so froh, dass wir uns den Schweiß und den Dreck im Fluss abspülen konnten! Pünktlich zum Abendbrot hat es angefangen zu gewittern und wir haben uns unter dem kleinen Verschlag gesammelt und konnte zusehen, wie der kleine Bach neben uns zu einem reißenden Wasserfall wurde, bevor er in den Fluss mündete. Nachdem das Gewitter aufgehört hat, waren nur noch ein paar Insekten zu hören und es wurde komplett dunkel, eine so pechschwarze Nacht haben wir vorher noch nirgendwo gesehen!
Den nächsten Tag haben wir mit Baden im Wasserfall begonnen und konnten uns die Anspannung in den Schultern gleich rausmassieren lassen und nach dem Mittag ging es mit dem Raft zurück nach Bukit Lawang. Der ganze Ausflug war wirklich toll und hat trotz der Anstrengung wirklich Spaß gemacht.
Zum Abschluss sind wir noch zur Bat Cave gegangen, dort haben wir am Eingang einen Guide bekommen, der uns durch die Höhle geführt hat. Es war ein Zusammenschluss aus mehreren Höhlen, die sehr groß waren und wo viele kleine und große Fledermäuse von den Decken hingen. Aber auch kleinere Tiere wie Frösche, Scorpione und Spinnen haben wir gesehen. Wir wurden zu Beginn komisch angeschaut, weil wir nur in Flip Flops gekommen sind und man in der Höhle über Felsen klettern muss, aber der Guide konnte ja nicht wissen, dass wir unsere Wander-Flip-Flops anhatten.
Nach den Tagen in Bukit Lawang viel es uns wirklich schwer weiterzufahren, aber wir wollten ja auch noch etwas mehr von der Insel sehen.









