Nach den vielen Städten, die wir auf unserer Reise durch Russland gesehen haben, konnten wir endlich wieder die Seele baumeln lassen und die Natur genießen. Das Auto wurde uns nach Irkutsk zu unserer Wohnung gebracht und wir sind gleich in den Tunkinsky Nationalpark gefahren, ca. 230 km von Irkutsk entfernt.
Im Vorfeld haben wir viel zu den Strassenverhältnissen gelesen und auch in Irkutsk haben die Leute immer wieder gesagt, dass es am Baikal keine richtigen Straßen gibt und so haben wir die ganze Zeit Ausschau gehalten nach Schotterpisten oder ähnlichem, aber auf dem Weg sind uns keine begegnet. Vorerst hatten wir also Glück und haben weiter auf die angekündigten schlechten Straßen gewartet.

Arshan im Tunkinsky Nationalpark liegt am Fuß der Sayan-Berge und ist ein bekannter Kurort, in dem es heiße Quellen gibt und auch einige Mineralwasserquellen. Der Ort ist sehr klein und wir haben am Abend gleich eine kleine Erkundungstour durch den Ort gemacht, natürlich haben wir dabei auch gleich das Wasser probiert, das schmeckt tatsächlich gut.

Jedes Band steht für ein Gebet/einen guten Wunsch 
Die Mineralquelle 
Unser UAZ auf der Datscha
Am zweiten Tag ging es für uns hoch auf den Love Peak. Am Abend vorher haben wir uns im Gasthaus noch erkundigt und die Tour wurde zwar als anstrengend und steil beschrieben, aber sogar ältere Leute gehen dort hoch – dann können wir das doch auch ohne Probleme! So dachten wir und sind also früh raus um der Mittagshitze zu entgehen. Gleich der erste Abschnitt führte uns steil bergauf; wo Wanderwege normalerweise in Serpentinen den Berg hochgehen, hat man sich hier einfach für den direkten Weg entschieden: steil bergauf… Später wurde es auch noch schwieriger mit losen Steinen, Wurzeln und dem weiterhin steilen Aufstieg. Ich habe vor der Spitze aufgegeben, weil es einfach sehr schnell sehr steil bergauf ging und habe auf einem Plateau mit einem älteren Ehepaar auf Philipp gewartet, der zur Spitze weiter ist. Wir kamen ins erzählen, haben zusammen gegessen und nachdem wir noch ein Paar getroffen haben, haben wir alle zusammen beschlossen den Weg weiterzugehen und doch noch zur Spitze hochzuwandern. In der Gruppe sind wir langsam, aber sicher hochgeklettert und trafen Philipp auf halbem Weg wieder und konnten uns weiter gegenseitig motivieren das letzte Stück noch zu gehen. Die Aussicht von ca. 2.300m auf den Ort und die weite Ebene auf der einen Seite und die Berge auf der anderen Seite war unglaublich schön und hat mich versöhnt mit den Anstrengungen des Aufstiegs – aber auch nur, bis es wieder zum Abstieg ging. Wir wählten extra einen anderen Abstieg als auf dem Hinweg, in der Hoffnung, dass dieser weniger steil wird. Doch der andere Weg war genauso steil und hatte noch mehr lose Steine und Geröll. Den Muskelkater von dieser Bergbesteigung haben wir beide noch 4 Tage danach gemerkt!

Geschafft! 
Unsere muntere Gesellschaft aus Deutschland, Ekaterinburg und Zima 
Arshan und die Tunkinskaya Ebene 
Blick auf die Berge der Sayan Range
Abends haben uns dafür unsere Nachbarn im Guesthouse zum Schaschlik eingeladen und wir konnten den Tag zumindest ganz entspannt und in angenehmer Gesellschaft ausklingen lassen.
Da wir das Auto nur für insgesamt 5 Tage gemietet haben und wir eine Mischung aus Bergen (auf Philipps Wunsch) und Insel im Baikal (auf meinen Wunsch) machen wollten, mussten wir am 3. Tag ungefähr 500km fahren und sind früh los und am Abend auf der Insel Olkhon im Baikal angekommen. Das Auto, ein UAZ mit Allradantrieb, fährt sich auf solchen weiten Strecken leider gar nicht schön, aber auf den letzten Kilometern waren wir doch froh drüber, da auf der Insel nur Sandpisten vorhanden sind. Dabei ist auch gleich ein Türschloss kaputt gegangen und die Tür hat sich durch das Rütteln während der Fahrt geöffnet, aber so ein richtiges Auto lässt sich noch mit dem Schraubenzieher reparieren! 🙂

Die Steppe auf dem Weg nach Olkhon 
Der Wanderer vor Olkhon
Olkhon war einfach magisch, wir haben jeden Tag so viele verschiedene Wetterlagen gesehen. Von Sonnenschein und Wärme, über leichten Regen und stärkeren Wind hin zu Wolken, die einfach die ganze Insel einhüllen und den schönsten Sonnenuntergang haben wir in den paar Tagen alles gesehen. Wie auch schon in den Orten davor sind wir hier vor dem großen Touristenansturm angekommen, weil die Saison erst im Juli/August ist, wenn es am wärmsten ist und so konnten wir bei entspannten Spaziergängen die Schönheit der Natur auf der Insel erkunden. Dabei fand ich die klare und kühle Luft am beeindruckendsten: gerade nach den Großstädten war es eine richtige Wohltat so klare und frische Luft zu atmen, die scheinbar die Kraft des Baikals aufnimmt und an einen selbst weitergibt. Zum Abschluss sind wir auch noch in den Norden gefahren in den Prebaikalsky Nationalpark und haben die Aussicht von der Spitze der Insel genossen. Die Straßen wurden noch einmal viel schlimmer und selbst unser Auto hat sich sehr gequält, aber es hat sich gelohnt. Der Baikal sieht hier gar nicht aus wie ein See, sondern wie ein endloses Meer. Den Sonnenschein genießend haben wir es dann tatsächlich noch gewagt und sind in den Baikal gesprungen, ein paar Minuten schwimmen und dann mussten wir auch schon wieder raus, weil es zu kalt war. Der See hat im Mittel 7°C und wird nicht wärmer als 10°C im August. Wir waren allerdings auf der Seite der Insel, die dem Festland zugewandt ist, sodass dort das Wasser nicht so stark durchwühlt und eher geschützt ist und wir vielleicht sogar 7-8°C Wassertemperatur hatten. Aber einmal am Baikal zu sein und nicht zu baden, das wäre nicht gegangen.

Blick auf das „Maloe More“, das kleine Meer zwischen Insel und Festland 
Schmetterlingskolonie am Strand 
UAZ Busse im Nebel, sie werden auch „Buchanka“ (Brotkiste) genannt 🙂 

Der Schamanka Felsen 
Der Schamanka Felsen 
Die Hauptstraße in Khuzhir 

Das Wasser muss überall getestet werden 

Der Schamanka Felsen in Wolken 
An der Nordküste 
Sonnenuntergang in Khuzhir
Zum Abschluss sind wir nach Buguldeyka, ein kleines Dörfchen am Baikal, gefahren, wo wir unseres Uazik bei eastories abgegeben und bei ihnen noch ein paar schöne entspannte Tage verbracht haben. Die Räume auf der Farm sind sehr liebevoll eingerichtet, wir haben so viel und so lecker gegessen und die Familie hat uns so lieb empfangen, dass wir uns gleich gefühlt haben wie beim Besuch der eigenen Familie. Die klare Luft, Ausflüge zum See und auf die angrenzenden Berge haben uns komplett abschalten lassen, mit dem abendlichen Besuch der Banja war der Tag perfekt. Wenn man den Baikal wirklich erleben möchte, gehört so eine Erfahrung definitiv dazu und für uns steht auch schon fest, dass wir zum Baikal zurückkommen werden, vielleicht sogar im Winter, wenn er komplett zugefroren ist.

Die Kühe laufen hier überall frei rum, im Dorf, auf den Bergen und eben auch am Strand 
Unser Zimmer bei eastories 
Buguldeyka 
Blick auf das Dörfchen 
Roxy, unsere kleine Wachhündin
In Sibirien hatten wir überall den Eindruck, dass die Menschen offen und hilfsbereit sind. Wir haben oft über unsere Reise gesprochen, Tipps eingeholt, aber auch über ganz alltägliche Dinge gesprochen und haben uns immer direkt wohlgefühlt. Für unsere nächsten Stationen hoffen wir, dass wir ähnlich freundliche Menschen antreffen werden.
Die Rückkehr nach Irkutsk für unseren Flug nach Tokyo viel uns schwer, hier erscheint uns alles so grau, die Autos stinken und eigentlich wollen wir nur zurück zum Baikal.