Eine Woche in Seoul

Von Japan ging es für uns weiter nach Seoul. Nachdem wir so einen tollen Eindruck bekommen haben von Japan, waren wir uns nicht ganz sicher, wie sich Südkorea von Japan unterscheiden würde und wie wir die nächste große Stadt überstehen würden.

Auch wenn unsere Hoffnung auf etwas Sonne nach 3 Wochen im grau-nassen Wetter von Japan nicht erfüllt wurden und wir sogar gleich mit leichtem Regen begrüßt wurden, haben wir direkt einen guten ersten Eindruck bekommen. Im super zentralen Hotel in Myeong-Dong wurden wir richtig nett begrüßt (mit Eis kann man mich eben immer gewinnen) und sind gleich auf eine erste Entdeckungstour durch die nahen Straßen gegangen. Eine Parallele zu Japan haben wir auch gleich gefunden: es gibt unglaublich viele Shoppingmöglichkeiten! Sei es auf dem Markt, wo es alles mögliche gibt, über die Straßenstände hin zu vielen Geschäften, überall kann man Geld lassen. Am ersten Abend haben wir das bunte Treiben aufgenommen und haben auch gleich an Straßenständen etwas leckeres zu essen gefunden.

Myeong-Dong bei Nacht

An unserem ersten Tag hat uns Sam, der Bruder eines alten Freundes in Seoul herumgeführt und sich ganz wunderbar um uns gekümmert, als wären wir alte Freunde zu Besuch. Im Hotel haben wir nach und nach die Leute ebenfalls kennengelernt. Henah, die Besitzerin war unfassbar freundlich und hat sich immer erkundigt, welche Pläne wir haben und uns Tipps gegeben, wie wir am besten zu den Orten kommen oder was wir uns noch anschauen können. Die Highlights unserer Zeit in Seoul sind definitiv die tollen Abende, die wir mit Sam beim Korean Barbecue und mit Henah, Ingy und ein paar anderen Gästen beim Barbecue auf der Dachterasse und im typisch koreanischen Restaurant verbracht haben.

Eispause mit Sam

Für uns war das auch der größte Unterschied zu Japan, da die Menschen dort auch sehr freundlich und höflich waren, aber man konnte doch immer eine gewisse Distanz wahrnehmen. In Seoul wurden wir von allen Seiten mit offenen Armen empfangen und konnten die Woche dort richtig genießen.

Und die Woche in Seoul war auch nicht zu großzügig geplant, es gab so viele Sachen zu entdecken! In der Zeit haben wir so viele tolle Orte gesehen, dass ich gar nicht alles aufzählen möchte, aber das hier waren unsere Highlights:

  • Am ersten Tag, als wir mit Sam unterwegs waren, haben wir uns gleich einen Hanbok, die traditionelle koreanische Tracht, ausgeliehen und haben die Stadt darin erkundet – definitiv eine lustige Erfahrung mit großem Reifrock durch die Stadt zu gehen und sich in einen Fahrstuhl zu quetschen.
  • Wir haben uns zwei Paläste angeschaut, den großen Palast Gyeongbokgung und Deoksugung. Zweiterer ist etwas kleiner, während Gyeongbokgung der größte von insgesamt 5 Royalen Palästen ist, die während der Joseon Dynastie gebaut wurden. Beide bestehen aus vielen einzelnen Bauten, die über ein großes Areal verstreut liegen und diese Bauten sind einfach wunderschön. Sie sind aus Holz gefertigt und haben so viele Details an den Säulen und den Dächern, überall sind farbige Verzierungen. Durch den Gyeongbokgung sind wir 2-3 Stunden spaziert um möglichst viel zu sehen und jede Ecke bot einen ganz wunderbaren Anblick (und viele schöne Fotospots 🙂 ).
  • Mit der U-Bahn sind wir an einem Tag in die anliegenden Berge, den Bukhansan National Park, gefahren und sind dort gewandert. Der Tag war zwar anstrengend, da wir durch das warme und schwüle Wetter doch recht schnell durchnässt waren und die Aussicht wegen der Regenzeit nicht sooo gut war, aber die Natur war einfach schön. Die Wanderwege waren gut ausgeschildert und ausgebaut, teilweise gab es Treppen oder Geländer für mehr Halt, sodass wir bis auf die Spitze einer der Berge gehen konnten. Dort hat man (in der Theorie) Aussicht auf Seoul – wir konnten die Umrisse von ein paar Gebäuden erkennen. 🙂 Aber die nahen Bergkämme, die sich hintereinander aufgebaut haben, haben uns für den Weg entlohnt.
  • An einem anderen Tag sind wir in das moderne Zentrum von Seoul gefahren – Gangnam. Und natürlich durfte hier eine Statue, die dem Lied von Psy gewidmet ist, nicht fehlen 🙂 Das Musikvideo konnten wir uns gleich daneben noch einmal in Ruhe angucken. Die Hochhäuser sind mal wieder beeindruckend gewesen, vor allem der Lotte Tower. Lotte ist ein riesiges Unternehmen, das gerade in dem Gebiet super präsent ist und der Lotte Tower ist einer der höchsten Wolkenkratzer der Welt. Von unten betrachtet schien er sich in der Mitte etwas zu verbreitern und dann wieder dünner zu werden an der Spitze – und scheinbar auf uns fallen. Wahnsinn! Und wer sich gerade wundert, dass Lotte gar nicht so koreanisch klingt, das ist es auch gar nicht. Das Unternehmen ist zwar japanisch-koreanisch, aber der Name wurde in Anlehnung an Charlotte aus Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang von Goethe vergeben. Im Park in der Nähe des Turms sind wir auf seine Statue gestoßen. Inmitten der ganzen Hochhäuser steht der Bongeunsa Tempel – eine wahre Oase der Ruhe. Hier werden sogar Temple Stays angeboten um sich aus dem hektischen Alltag zurückzuziehen.
  • Es gibt zwei Hanok Villages in Seoul, das Namsan Hanok Village und das Bukchon Hanok Village. Beide bestehen aus vielen alten Gebäuden im typisch koreanischen Baustil und laden zum Bummeln ein.
  • Die Stadtmauer von Seoul zieht sich durch einen großen Teil der Stadt und führt auch den ein oder anderen Hügel hinauf. Besonders im Naksan Park hat man zum Sonnenuntergang und wenn es dunkel wird einen ganz wunderbaren Blick auf die Stadt. Auf dem Rückweg gibt es auch das ein oder andere Café mit Aussicht, die man unbedingt noch weiter genießen sollte. Auf dem Rückweg sind wir eher durch Zufall durch das Ihwa Mural Village gegangen. Die Häuser dort lehnen sich an den Hügel, die Straßen bestehen aus Stufen oder steilen Wegen und an vielen Hausmauern und Treppen sind hübsche Wandmalereien zu finden. Selbst im Dunkeln hat es Spaß gemacht sie zu erkunden.
  • Die Dongdaemun Design Plaza wurde von Zahl Hadid entworfen und sieht ziemlich space-ig aus. Das riesige graue Gebäude lässt keine Kanten (und keine Fenster) erkennen und spannt sich wie eine große geschwungene Wasserblase über den Platz. Im Gebäude und drum herum gibt es viele Orte zum Sitzen und Entspannen und es stehen Klaviere im Freien, an denen die Menschen spielen, sodass sich die Musik auf dem Platz verbreitet.
  • Um unseren Ruf gerecht zu werden, sind wir auch zum War Memorial gefahren (laut Henah gehen die „Westerners“ unbedingt dort hin) und haben einen kleinen Einblick in die Geschichte Koreas bekommen. Das Memorial ist erbaut in Gedenken an die kriegerische Vergangenheit von Korea und um aus der Vergangenheit zu lernen in der Hoffnung weitere Krieg zu vermeiden.
  • Einen Nachmittag haben wir ganz entspannt im Hangang Park am Fluss Han verbracht. Ein kleiner Bach dort ist extra dafür gemacht um im Wasser durch den Park zu gehen und die Füße abzukühlen, Food Trucks haben leckeres Essen zu bieten und in der entspannten Atmosphäre kann man den Großstadttrubel für ein paar Stunden vergessen und den Blick auf die Skyline genießen.

Viele Sehenswürdigkeiten liegen im Zentrum und sind zu Fuß zu erreichen, wenn man wie wir gerne auch mal etwas länger zu Fuß unterwegs ist. Das U-Bahn- und Bus-Netz ist allerdings auch sehr gut ausgebaut und das haben wir ebenfalls sehr gerne in Anspruch genommen. Mit der T-Money Card war das ganz problemlos – einfach etwas Geld aufladen und in der U-Bahn ranhalten.

Genauso wie in Japan gab es hier viel frei verfügbares Wifi, sodass wir hier ebenfalls auf die teuren Möglichkeiten für mobiles Internet verzichtet haben.

Nach einer Woche voll mit Sightseeing und Ankommen in der Stadt haben wir viele verschiedene Eindrücke gesammelt, aber durch unsere vielen Pausen im Grünen fühlten wir uns fitter als nach unserer Zeit in Japan. Und nach unseren lustigen Abenden mit Henah und Ingy kommen wir hoffentlich noch einmal wieder, diesmal zu Freunden. 🙂

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