City Jungle

Als wir unsere Reiseroute angeschaut und überlegt haben, wie es weiter gehen soll, sprang uns Hong Kong ins Auge, weil es gut auf dem Weg liegt zwischen Korea und Südostasien. Über die Stadt haben wir schon viel gehört und natürlich auch die Fotos mit den unglaublich hohen und schmalen Wohnhäusern gesehen. Da war für uns klar, dass wir Hong Kong unbedingt in unsere Route integrieren müssen.

Nachdem wir aber schon 4 Wochen in Japan und Seoul verbracht haben, hatten wir eigentlich schon genug von asiatischen Großstädten. Auch wenn uns Seoul hier und da eine Pause beschert hat und wir doch etwas Zeit in der Natur verbracht haben, waren wir (ich besonders) heiß auf Strand. Auch die Beiträge über Hong Kong, die wir im Vorfeld gelesen haben, haben uns keinen Mut gemacht. 

Doch davon haben wir uns nicht einschüchtern lassen und sind ganz aufgeschlossen nach Hong Kong geflogen. Und wir wurden nicht enttäuscht! 🙂 Allein der Landeanflug war schon cool – es waren viele einzelne Inseln zu sehen mit Jungle und Hochhäusern, das Wasser sah schön blau aus und überall waren Boote auf dem Wasser. 

Der öffentliche Verkehr ist hier gut ausgestattet, mit dem Express geht es innerhalb weniger Minuten vom Flughafen in die Stadt und von dort aus weiter mit der U-Bahn oder der Tram. Hier gibt es auch eine Karte für den Nahverkehr für den schnellen Gebrauch, sie heißt Octopus Card, auch wenn kein Octopus drauf abgebildet ist :(. Der Nahverkehr ist auch gar nicht teuer, eine Fahrt kostet zwischen 2-9 HKD, was etwa 0,20-1,00€ entspricht. Die Unterkünfte sind allerdings recht teuer und sehen dafür meist nicht so gut aus. Wir haben überall geschaut und selbst Hostels oder Kapsel-Hotels kosteten über 50€ und sahen dafür echt schäbig aus. Bei Airbnb wurden wir dann fündig und haben auch um die 40€ pro Nacht gezahlt, hatten dafür aber unser eigenes kleines und sehr zentral gelegenes Reich. Klein aber fein. Das war für uns ein Grund mehr die Zeit in Hong Kong kurz zu halten.

Die 3 Tage, die wir hatten, wollten wir allerdings so gut es ging nutzen!

Am ersten Tag wollten wir Hong Kong zu Fuß kennenlernen und sind also komplett durch Hong Kong Central spaziert, durch die engen Gassen entlang der Hochhäuser. Hier und da waren kleine grüne Ecken und Parks und immer mal wieder gab es eine schöne Aussicht auf die Stadt. Die Antikmärkte und -läden in der Cat Street waren komplett überladen, aber hatten einige tolle Dinge zu bieten, die Chinesischen Tempel hatten eine ganz eigene, ruhige Atmosphäre und die Läden und Cafés in der Hollywood Road boten den perfekten Kontrast mit ihrem stylischen Interior. Die Gebäude waren immer wieder unterirdisch oder überirdisch durch überdachte Walkways verbunden, sodass man immer wieder Abkürzungen nehmen und klimatisierte Abschnitte genießen konnte. Allein wegen des Ausblicks von den Walkways auf die Straßen und die Häuser sollte man sie auf jeden Fall nutzen. Weiter ging es mit der Fähre rüber nach Kowloon und dort sind wir weiter durch den Kowloon Park und durch ein paar Straßenmärkte spaziert. Die Bäume, die an den Straßenrändern wachsen, verleihen den Eindruck einen kleinen Teil Jungle direkt in der Stadt zu haben.

Den Abend haben wir am Pier in Kowloon verbracht und haben den Ausblick auf Hong Kong Island genossen. Der Blick zum Sonnenuntergang ist von der Avenue of Stars besonders schön! Hier sollte man auf jeden Fall auch noch länger verweilen, denn jeden Abend um 20 Uhr beginnt in dem Gebiet die Symphony of Lights – eine Licht- und Soundshow, bei der über 40 Gebäude mitmachen und Lichter und Werbetafel der Gebäude im Gleichklang erleuchtet werden. Im Vorfeld haben wir davon schon gelesen und dachten, dass es nicht soo groß wird, aber das würde natürlich nicht zu Hong Kong passen. 🙂

Der zweite Tag hat uns in die Natur entführt. Ausgestattet mit Leckereien vom Bäcker nebenan sind wir mit dem Bus ein Stück raus in die Natur gefahren um zum Startpunkt des Dragon´s Back Hike zu kommen. Nach ca. 30 Minuten waren wir da und sind mit 3 anderen Leuten ausgestiegen. Der Weg führte erst einmal einen Hügel hoch um dann auf dem Bergkamm, dem Dragon´s Back, weiterzuführen. Nach 15 Minuten hat es allerdings etwas angefangen zu regnen und wir haben noch kurz Zuflucht gesucht in einem kleinen Häuschen, sind dann aber nach kurzer Zeit doch weitergegangen. Noch ein paar Minuten später hat es dann wirklich angefangen zu regnen und wir waren komplett durchnässt, aber es waren ja immerhin über 30°C, sodass es zum Wandern fast angenehm wurde durch den Regen. Die Aussicht auf dem Bergrücken war dafür nicht vorhanden…

Aber wie so oft in der Regenzeit in Asien war der Schauer nur von kurzer Dauer und die Sonne kam wieder raus. So haben wir unseren Weg fortgeführt zur Big Wave Bay. Auf dem Weg gab es viele kleine Wasserfälle, einsame Wege, schöne Schmetterlinge und vor allem ganz viel Natur. Nachdem es dann auch wieder warm wurde, fieberten wir unserem Ziel entgegen: dem Strand! Was wir vorher nämlich nicht auf dem Schirm hatten, war, dass man in Hong Kong auch richtig schön baden kann. Nach 2,5 Stunden Wanderung haben wir mindestens genauso lange am Strand verbracht mit Baden, Lesen und einfach nur Entspannen, der Tag war gelungen!

Für den letzten Tag haben wir noch unser Highlight aufgehoben. Zunächst sind wir in den Nan Lian Garden gefahren, aber es war einfach so schwül an dem Tag, dass wir doch etwas mehr Zeit im (klimatisierten) Café verbracht haben. Zum Nachmittag sind wir zurück nach Hong Kong Central gefahren und sind von dort mit dem Cable Car zum Victoria Peak gefahren. Vorsicht: das Standard Ticket, dass sie dort unten verkaufen beinhaltet den Preis für die Aussichtsplattform. Wir haben explizit gesagt, dass wir nur die Fahrt haben wollen und haben weniger gezahlt. In der Theorie kann man auch zu Fuß hoch, aber bei den Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit war das für uns einfach nicht drin.

Oben angekommen haben wir uns auf die Suche gemacht nach „Dem Spot“, an dem man die ganz bekannte Aussicht auf Hong Kong hat. Das hat sich als etwas komplizierter herausgestellt, als gedacht. Wir sind nämlich zuerst zur Victoria Peak und zum Victoria Park gegangen, von dort sieht man Central allerdings gar nicht, bzw. nicht so gut. Die Aussicht in Richtung Telegraph Bay war allerdings ebenfalls sehr schön – die Weite, offenes Meer und ein paar kleine verstreute Inseln. Danach sind wir auf den Victoria Peak selbst gegangen, was sich als kleines Plateau herausgestellt hat und einen tollen Rundum-Blick bietet. Als sich herausgestellt hat, dass unser zweiter Spot wieder nicht der richtige Spot war, haben wir noch einen letzten Anlauf genommen und wurden zum Glück nicht enttäuscht! Mittlerweile war es auch schon so spät, dass wir ganz entspannt auf den Sonnenuntergang warten konnten und ich mich in die Schlange von Fotografen einreihen konnte. Der Spot heißt Lugar Road Lookout und die Straße geht direkt nach dem Cable Car rechts weg.

Als ich Hong Kong recherchiert habe, ist mir auch das erste Mal aufgefallen, dass es richtige Instagram-Reiseführer gibt, in denen die Most Instagrammable Places gezeigt werden. Auch wenn dort schon hunderte andere Instagramer sind, die genau das gleich Foto schießen wollen…

Was uns allerdings noch mehr überrascht hat, war die Größe von Hong Kong. Für uns war es doch immer recht weit weg und wir wussten vorher nicht viel über Hong Kong. Dort angekommen, waren wir aber überrascht, dass es aus so vielen kleinen Inseln besteht und viel grüner ist als gedacht. Hong Kong besteht insgesamt aus über 200 Inseln, die vier größten sind Hong Kong Island, Kowloon Peninsula, New Territories und Lantau Island, ca. 70% besteht aus Grünfläche und davon sind ca. 40% Naturschutzgebiete, in denen man ganz wunderbar entspannen und frische Luft einatmen kann. Trotzdem wohnen 7,4 Mio. Menschen dort, was es zu einem der dichtbesiedeltsten Gebiete der Welt macht.

Viele schwärmen ja auch sehr vom chinesischen Essen und wir wollten natürlich auch alles mal probieren und waren zweimal in typischen Garküchen essen. Einmal haben wir eine Zusammenstellung aus verschiedenen Sachen probiert (von denen uns aber nur die Dumpings bekannt waren) und beim zweiten Mal gab es eine Nudelsuppe mit Dim Sum. Die Dim Sum haben uns sehr geschmeckt, die anderen Dinge waren allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Vor allem, wenn Fleisch mit ins Spiel kam und es im Teigmantel überbacken wurde, war es gleich sehr fettig und nicht sooo lecker.

Alles in allem hat uns Hong Kong wahnsinnig überrascht, weil es so viel zu sehen gab, so viel los war und wir mitten im Großstadttreiben waren. Trotzdem war es hier einfacher mal rauszukommen und die Natur und das Wasser zu genießen. Fast waren wir traurig, dass wir nur 3 volle Tage hatten, einen Ausflug nach Lantau Island zum Big Buddha hätte ich auch gern gemacht, aber vielleicht kommt noch einmal die Gelegenheit. 

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