Das große Wandern Part I

In Queenstown angekommen haben wir die Wandersaison in Neuseeland so richtig begonnen. Ein paar kürzere Ausflüge haben wir ja schon gemacht, beim Mount Cook ging es auch schon in die Höhe, aber im Zentrum der Südinsel gab es noch ein paar schöne Tracks, die wir auf jeden Fall gehen wollten.

Angefangen haben wir mit dem Ben Lomond Track in Queenstown, der uns aus der Stadt auf den anliegenden Hügel geführt hat. Es ging ein paar hundert Meter hoch, angefangen im Wald, bis der Wald sich lichtete und bis hoch zu den Felsen. Von der Spitze aus hatten wir eine ganz wundervolle Aussicht auf den See Wakatipu und die herumliegenden Berge. In der Ferne waren die schneebedeckten Berge des Mount Aspiring National Park zu sehen und das Wechselspiel aus Licht und Schatten auf den umliegenden Bergen war wunderschön. Während unserer Mittagspause auf der Spitze kam uns sogar noch ein Kea besuchen, der gar keine Angst vor den Menschen hatte und sich den ein oder anderen Mittagssnack geklaut hat.

Für unseren Track hatten wir richtig Glück mit dem Wetter, gerade als wir die letzten Meter heruntergegangen sind, hat es angefangen zu nieseln. Wir sind dann weiter den See entlang nach Glenorchy gefahren um dort zwei Nächte zu verbringen und es hat in der ganzen Zeit, die wir dort waren nur für 1-2 Stunden aufgehört zu regnen….. An Tagen wie diesen ist es echt unpraktisch im Camper herumzureisen, weil man in unserem kleinen Michi nicht sooo viel Platz hat und sich auch nicht so bequem hinsetzen kann, zudem beschlägt dann noch das ganze Auto von innen. Einige Campingplätze haben einen schönen Aufenthaltsraum oder eine große Küche, in der man auch gemütlich sitzen kann, aber längst nicht alle. In Glenorchy gab es nur eine kleine Küche, die wir dann den ganzen Tag für uns in Beschlag genommen haben.

Als wir wieder durch Queenstown gefahren sind, haben wir schon gesehen, dass das Wasser im See deutlich angestiegen ist innerhalb der 2 Tage und auch auf dem Weg nach Wanaka hat es nur sporadisch aufgehört zu regnen. In Wanaka waren auch schon Straßen gesperrt, weil der See über die Ufer getreten ist und noch mehr Regen erwartet wurde. Aber auch hier hatten wieder wahnsinnig Glück, weil es am Tag nach unserer Ankunft nicht geregnet hat und die Sonne rauskam. In der Touristeninfo haben sie uns zwar gesagt, dass der Track zur Roys Peak geschlossen ist, weil die Zufahrt überflutet ist, aber wir haben zum Glück noch beim DOC (Department of Conservation, zuständig für den Naturschutz und die Instandhaltung der Nationalparks) nachgefragt und sie haben uns grünes Licht gegeben.

Überglücklich, dass wir den Weg noch gehen können, sind wir los und sind die 8km hoch zur Spitze gegangen. Roys Peak ist ja so bekannt durch die Millionen Instagram Fotos und die Aussicht ist wirklich atemberaubend mit dem Türkisen Wasser, grünen Hügeln und schneebedeckten Bergen in der Ferne, aber der Weg selbst ist Folter! Er ist zwar nicht lang, aber in den 8km geht es fast 1.000m in die Höhe und die Landschaft und auch die Aussicht ändert sich nicht, es geht in endlosen Serpentinen mal mehr mal weniger steil nach oben…. Der Weg ist also nicht der Rede wert, aber die grandiose Aussicht hat uns dann doch entschädigt. Aufgrund des Wetters war es am Aussichtspunkt auch nicht ganz so voll und viele Leute gehen auch gar nicht mehr weiter hoch zur eigentlichen Spitze, die noch einmal eine halbe Stunde weiter und 250 Höhenmeter mehr hat. Dort hatten wir ähnlich wie beim Ben Lemond Track einen wunderbaren Rundum-Blick auf die Seen und die Berge. Und etwas gutes hat es auch noch – wir waren immer mehr in Form und waren schneller unterwegs als die Wegmarkierungen vorgeschlagen haben.

Danach hat uns das Glück mit dem Wetter leider verlassen. Eigentlich wollten wir hiernach über den Haast Pass in Richtung Westküste aufbrechen und die Gletscher sehen, aber es hat wieder geregnet, sodass Felsen in Größe von Vans auf die Straße gefallen sind und man nicht mehr durchkam. Also mussten wir schnell umplanen und haben uns dann entschieden so schnell es ging in den Norden zu fahren in Richtung Marlborough Sound. Damit sind wir nicht wie ursprünglich geplant einmal um die Insel herumfahren, sondern sind eine „8“ gefahren. Auf dem Weg mussten wir auch wieder am Lake Tekapo vorbei und auch dort war das Wasser viel höher als bei unserem ersten Besuch, sodass die Lupinen schon unter Wasser waren.

In Kaikoura haben wir die Wärme genossen – wir hatten endlich wieder ein paar regenfreie Tage und konnten in kurzen Sachen sitzen und draußen essen. 🙂 Der Ort hatte eine kleine süße Straße am Wasser mit kleinen Boutiquen (in denen wir die vielen schönen Dinge wieder nicht kaufen konnten) und einen Coastal Walk, bei dem wir einige Robben und eine Möwenkolonie aus der Nähe gesehen haben. Die Robben lagen einfach auf den Felsen, haben sich entspannt und haben sich kaum an den Leuten gestört. Das Highlight war aber auf jeden Fall die Hot Tub auf dem Campingplatz, die wir kostenlos nutzen konnten.

Weiter ging es nach Picton, wo es noch etwas wärmer wurde und wir etwas Zeit am Wasser genießen konnten. Wir sind einen kleinen Teil des Queen Charlotte Tracks gegangen, der insgesamt 72km durch den Marlborough Sound führt, und haben die Aussicht über die verschiedenen Buchten und die Sonne genossen.

Das große Finale unserer Wanderungen in Neuseeland war der Track zur Angelus Hut, der uns zwei Tage durch den Nelson Lakes National Park geführt hat. Ausgangspunkt dafür war St. Anraut, wo uns die gemeinen neuseeländischen Sandflies zerstochen haben, das waren ganz garstige Biester!

Am Anfang ging es auf dem Robert Ridge Track gleich in die Höhe und dann immer auf dem Bergrücken entlang zur Hütte. Der Ausblick war in alle Richtungen schön, es waren immer wieder kleine Bäche und Seen zu sehen und die Wolken haben tolle Schatten auf den Bergen hinterlassen. Der Großteil der Wanderung war auch recht entspannt, bis es am Ende über einen felsigen und zerklüfteten Bergrücken ging, wo wir über Felsen klettern mussten während es an den Seiten steil bergab ging. Besonders für unsere neue Reisegefährtin Aurelie war der Teil hart, weil sie nicht so viel Erfahrung beim Wandern hatte. Am Ende haben wir es aber alle unbeschadet geschafft und die Hütte lag vor uns, umrandet von Bergspitzen und zwei Seen. Am Abend konnten wir dort noch etwas entspannen und unser Gourmet Abendbrot zubereiten. Am nächsten Morgen ging es mit dem nächsten Lieblingsgericht weiter: Haferbrei gekocht mit Wasser, immerhin gab es noch Nüsse dazu. Zurück haben wir einen anderen Weg gewählt und sind über Speargrass Track zurück zum Parkplatz gewandert. Der Weg hat uns direkt von der Hütte heruntergeführt, es gab ein paar Bachüberquerungen, die richtig Spaß gemacht haben, bis wir dann wieder im Wald waren und die reine Luft genießen konnten.

In den zwei Tagen haben wir so viele verschiedene schöne Landschaften gesehen und konnten so gut abschalten in der Natur, dass wir uns schon richtig auf die Natur in Patagonien gefreut haben.

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