Das große Wandern Part II

Von Sydney aus ging es für uns einmal über den großen Teich ans südliche Ende von Chile, nach Punta Arenas. Mit zwei Zwischenstopps in Melbourne und Santiago waren wir immerhin auch über 20 Stunden unterwegs und sind über die Datumsgrenze geflogen – aus Melbourne sind wir um 11 Uhr losgeflogen und sind in Santiago um 10 Uhr am selben Tag angekommen, trotz des langen Flugs. Für uns war das richtig gut, weil wir dann abends in Punta Arenas angekommen sind und schnell ins Bett konnten und da ich im Flieger immer nicht schlafen kann, war das besonders früh. 🙂

In Punta Arenas haben wir uns erst einmal an die neue Umgebung gewöhnt, wobei Chile uns gar nicht so sehr anders vorkam als Australien, es war nur wirklich viel kühler, obwohl wir mitten im Sommer waren und die Sonne schien. Wir konnten uns also wieder an lange Sachen und Jacken gewöhnen. In den kommenden Tagen haben wir uns den Ort angeschaut, uns an den Strand gesetzt (zum Baden war leider sowohl die Luft als auch das Wasser viiieeel zu kalt) und waren auf dem alten Friedhof.

Weiter ging es nach Puerto Natales, wo wir uns auf unsere große Wanderung im Torres del Paine Nationalpark vorbereitet haben. Die Unterkünfte im Park haben wir erst in Sydney zu Silvester gebucht und als wir mit anderen im Hostel und im Ort gesprochen haben, ist uns erst bewusst geworden, wieviel Glück wir hatten überhaupt Plätze zu bekommen. Viele haben ihren Urlaub schon im August/September gebucht und haben gerade so noch Campingplätze bekommen, andere haben 1-2 Monate vorher geschaut und sind leer ausgegangen. Wir hatten also richtig Glück, wobei wir leider nicht nur Plätze für unser eigenes Zelt reservieren konnten, sondern auch vollausgestattete Plätze und Betten im Refugio nehmen mussten und das war natürlich deutlich teurer.

Im Vorfeld müssen zumindest für den „O“-Circuit die Übernachtungen gebucht werden, da man ansonsten nur bis zur Hälfte des zweiten Tagesabschnitts kommt und dann vom Ranger zurückgeschickt wird. Die Plätze sind heiß begehrt und aufgrund der begrenzten Kapazität kann man nicht spontan kommen; wild campen ist leider auch verboten im Park. Insgesamt gibt es 3 Unternehmen, die Campgrounds im Park haben und über die man die Plätze reservieren muss: CONAF, Fantastico Sur und Vertice – nachdem wir uns mit der Karte des Parks auseinandergesetzt haben und für die Tagesabschnitte entschieden haben, hat es auch nur noch eine Stunde gedauert die 3 Seiten zu koordinieren und unsere Plätze zu buchen, bzw. unsere Route nach den freien Plätzen anzupassen…. Am Ende haben wir uns für die folgenden Campsites entschieden: Serón, Dickson, Los Perros, Grey, Paine Grande, Francés und Chileno.

Der Torres del Paine Nationalpark

In Purto Natales mussten wir uns also noch das Equipment für die 8 Tage kümmern und Zelt, Kochausrüstung etc. mieten. Das bieten super viele Hostels an und wir haben am Ende alles bei Rental Natales ausgeliehen. Das Equipment war wirklich gut und neu, der Preis war auch in Ordnung.

Schwieriger war auf jeden Fall das Essen für die 8 Tage zu planen, wir mussten nämlich unser Essen selbst mitnehmen und uns mit Frühstück, einem Mittagssnack und einem Abendbrot versorgen. Es gab also Haferflocken, Nudeln mit Tomatensoße, Kracker, Schokolade, Reis und viele Nüsse. Viel frisches Obst oder Gemüse konnten wir leider nicht mitnehmen, weil wir Angst hatten, dass es im Rucksack einfach viel zu schnell zerquetscht wird. Das Essen selbst war schon ziemlich schwer, aber wir hatten natürlich noch Zelt, Isomatten, Schlafsäcke, Wanderstöcke und Kleidung für 0-20°C und Sonne/Wolken/Regen/Schnee dabei. Zu Beginn waren unsere Rucksäcke bestimmt bei 10-15kg und damit mussten wir im Schnitt 15km pro Tag gehen. Eines war auf jeden Fall klar: das schwere Essen musste zuerst aufgegessen werden!

Als es dann endlich so weit war, waren wir etwas aufgeregt. Es ging mit dem Bus von Puerto Natales in den Park und nachdem wir uns dort im Office registriert und die Gebühr gezahlt haben, wurden wir losgelassen in den Park. 🙂 Wir haben herausgefunden, dass den „O“-Circuit im Sommer ungefähr 100-120 Leute pro Tag gehen und dadurch, dass man den Circuit nur in eine Richtung gehen darf, haben wir uns schnell mit den Leuten angefreundet und es war schön den Weg gemeinsam mit den anderen zu gehen und sich gegenseitig moralisch zu unterstützen. Auf dem Weg selbst hat es sich ganz gut verteilt, weil die Strecken zwischen 11-20km lang sind und man zu unterschiedlichen Zeiten startet und jeder in seinem eigenen Tempo geht. Am Abend haben wir uns aber immer wieder am Zelt oder im Schelter zum Kochen getroffen. Und selbst wenn wir einfach auf dem Track bekannte Gesichter gesehen haben, war es schön sich kurz mit ihnen zu unterhalten und sich zu freuen, dass wir es alle so weit auf dem Track geschafft haben.

Die Natur war jeden Tag atemberaubend und so vielseitig. Es gab Ausläufer der Berge, die wir überqueren mussten, weite Wiesen, Flüsse, Gletscher, Wälder, Bergpässe die überquert werden mussten, Moorgebiete und noch viel mehr, sodass es nie langweilig wurde. Jeder Tag aufs Neue war beeindruckend und hielt atemberaubende Aussichten bereit und hat uns für die Strapazen mit dem schweren Gepäck entschädigt. Der erste Tag war besonders schwer, da wir uns erst einmal an das schwere Gepäck auf dem Rücken gewöhnen mussten, mit dem wir kilometerlang hoch und runter gewandert sind. Ab dem zweiten Tag wurde es leichter, da sich unsere Rücken und Füße an die neue Belastung gewöhnt haben.

Die größte Erleichterung für uns war, dass wir das Wasser nicht für den ganzen Tag aufbereiten und schleppen mussten, sondern aus den Bergquellen trinken konnten. Die Quellen sind rein und da es im Park keine Nutztiere gibt, die das Wasser verneinen können, ist es auch komplett sicher, das Wasser aus den vielen Bächen, die die Wanderwege kreuzen, zu trinken. Wir haben uns so schnell an das klare und leckere Wasser gewöhnt, dass wir immer extra viel getrunken haben und traurig waren, dass wir bald wieder nur das Leitungswasser haben würden.

Im Vorfeld haben wir auch gelesen, dass man in Patagonien mit allen vier Jahreszeiten in einem Tag und starken Wind rechnen muss. Auch wenn wir es nicht so ganz glauben wollten, war das Wetter doch sehr wechselhaft und wir hatten besonders an dem Tag, an dem wir über den Garner Pass gewandert sind, Sonne, Kälte, Regen, Schnee und Wind, sodass wir uns immer wieder an- und ausgezogen haben.

Als wir dann in die Nähe des Refugio Grey kamen, waren wir etwas schockiert, als uns das erste Mal Leute entgegenkamen. Für uns war das der längste Tag, da der Pfad vom Pass zu Grey durch nassen Waldboden hoch und runter ging und wir nach den vielen Stunden auf den Beinen k.o. waren – die Leute, die uns ohne Gepäck oder nur mit kleinen Daypacks entgegenkamen, waren zu dem Zeitpunkt nicht gerade meine Lieblingsmenschen. Sobald wir auf dem „W“-Track waren, waren immer mehr Menschen unterwegs und wir konnten die Natur nicht mehr ganz so ungehindert genießen, aber auch die letzten Tage auf dem Circuit hielten super schöne Aussichten und tolle Erlebnisse für uns bereit. Mit den Menschen haben wir dann gelernt zu leben. 🙂

Highlights der 8 Tage im Park waren die Aussicht vom Refugio Dickson zum Gletscher Dickson und zu den Bergen, der Weg zu Paso Garner, der Weg vom Paso zum Refugio Grey entlang des riesigen Gletschers, der Weg ins Valle del Francés eingekesselt zwischen den gewaltigen Bergen, der Blick auf den Lago Nordernskjöld und zu guter Letzt der Ausblick vom Mirador base de las Torres kurz nach Sonnenaufgang.

Insgesamt waren es 8 wundervolle Tage weg von aller Technik und vom Telefonnetz, mitten in atemberaubender Natur, Stille, klarer Luft und 24 Stunden draußen sein. Auch wenn es ab und an kühl wurde, war es doch schön, so viel Zeit in so klarer Luft zu verbringen und nicht in den 4 Wänden des Hotels eingesperrt zu sein. Und immer wieder mussten wir uns selbst einen Anstoß geben, die letzten Kilometer noch zu gehen, die letzten Höhenmeter auch noch zu bezwingen und weiterzumachen. Am Ende können wir stolz auf uns sein, dass wir den gesamten „O“-Circuit gegangen sind und innerhalb der 8 Tage ungefähr 120km zurückgelegt und dabei ein paar tausend Höhenmeter gewonnen haben. Zwischendurch habe ich mich gefragt, warum wir uns so etwas antun – so viel gehen, so viel schleppen usw. – aber immer, wenn es eine schöne neue Aussicht gab, wussten wir, warum wir es machen. Es ist eben doch ein anderes Gefühl, wenn man weiß, dass man sich die Aussicht verdient hat und den Weg bezwungen hat und nicht den bequemen Weg mit dem Auto genommen hat.

Wer weiß, wann und wo es das nächste Mal auf so eine längere Wanderung geht. 🙂

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