Man könnte meinen, dass wir nach unserer Zeit in Neuseeland und den 8 Tagen im Torres del Paine Park fürs erste genug gehabt haben von Wanderungen, aber in Patagonien muss man einfach seine Zeit draußen und in den Bergen verbringen. Die Gletscher, die wir im Park gesehen haben, waren schon sehr beeindruckend und der Grey Glacier hat sich ausgebreitet so weit das Auge reichte, aber wir wollten noch einmal näher ran. Zusammen mit dem Vorsatz, dass wir in Südamerika so viel es geht mit dem Bus zurücklegen wollten, führte es uns als nächstes auf die argentinische Seite Patagoniens, nach El Calafate.
Die Busfahrten bisher waren super entspannt, die Busse sind richtig bequem und gut ausgestattet und es gibt sogar Verpflegung auf den längeren Strecken. Dabei war es auch egal, ob es eine chilenische oder argentinische Gesellschaft war, sie waren bisher alle wirklich gut – die deutschen Busgesellschaften könnten sich da auf jeden Fall noch etwas von abgucken! Selbst der Grenzübergang mit dem Bus war ok, wir mussten zwar an beiden Grenzen etwas warten, bis alle kontrolliert wurden, aber es war immerhin gut organisiert.
El Calafate selbst ist ein süßes Örtchen, das schon deutlich auf Tourismus ausgerichtet ist mit vielen Souvenirshops und -Ständen, sowie Touranbietern. Wir hatten aber nur einen vollen Tag dort, an dem wir zum Perito Moreno Gletscher gefahren sind um ein paar Stunden auf dem Eis zu verbringen. Der Tag war super beeindruckend, der Gletscher riesig ist und einer der sehr wenigen Gletscher auf der Erde ist, der nicht zurückgeht, sondern seit ca. 100 Jahren stabil ist und jeden Tag ungefähr genauso viel Eis gewinnt wie er verliert. So eine Naturgewalt aus der Nähe zu sehen und sich vorzustellen, dass die meisten anderen Gletscher von Jahr zu Jahr kleiner werden und Eis verlieren, ist wirklich traurig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Orte rund um die Anden ihr Wasser aus Schmelzwasser und den Gletscherseen beziehen und damit die Felder bewässern, die Haushalte beliefern und auch das Trinkwasser daraus aufbereitet wird.

Nachdem wir uns das Ende vom Gletscher ansehen konnten, sind wir mit dem Boot übergesetzt zur Seite des Gletschers und unsere Wanderung auf dem Gletscher hat begonnen. Wir sind mit schweren Steigeisen auf das Eis hoch und sind 3 Stunden über den Gletscher gewandert, haben die Eisformen bewundert, kleine Bäche angeschaut, die in den Tiefen des Gletschers verschwunden sind, Löcher ein Eis von eine tiefblauen Farbe und über die Weite des Gletschers bestaunt.







Wir hatten auch wieder alle 4 Jahreszeiten in einem, weil es auf dem Gletscher geregnet und leicht geschneit hat, es war super windig, dass wir nicht nur gegen das Gewicht der Steigeisen sondern auch gegen den Wind ankämpfen mussten und zum Ende hin kam die Sonne heraus und es wurde gleich wieder angenehm warm – so warm, dass wir alle Schichten loswerden mussten, die wir vorher noch angezogen haben. 🙂 Auch wenn es anstrengend war auf dem Eis mit den schweren Steigeisen zu wandern, war es atemberaubend schön auf dieser weiß-blauen Weite aus Eis zu gehen und die wilden Formen des Eises aus der Nähe zu sehen.
Unser weiterer Weg führte uns nach El Chaltén, ein kleines Paradies für Wanderer. Das Dorf liegt in einem Tal umgeben von Bergen und es gibt viele Wanderwege, die direkt im Zentrum starten, es gibt Tageswanderungen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und auch einige Camps, sodass man auch ein paar Nächte in den Bergen verbringen kann. Der Ort selbst ist wirklich klein und wir hatten aus unserem Zimmer sogar eine schöne Aussicht auf den Mount Fitz Roy. Insgesamt sind wir hier noch zweimal wandern gegangen und haben uns zwischendurch einen Tag Pause gegönnt.
Was uns in den ersten Tagen in Argentinien schon aufgefallen ist und wovor wir auch schon von anderen Reisenden gewarnt wurden, war die Schwierigkeit Bargeld zu bekommen in Argentinien. Der höchste Betrag, den wir abheben konnten, war 8.000 Pesos, was gerade einmal 120€ entspricht. Das Problem ist allerdings, dass man jedes Mal horrende ATM-Gebühren zahlen muss; bei uns waren es ca. 7€ pro Transaktion. In vielen Hotels oder Restaurants kann man aber nur bar bezahlen oder man muss noch Kreditkartengebühren von 5-10% zahlen, sodass wir immer versucht haben durchzurechnen, was sich für uns mehr lohnt. Gerade in El Chaltén haben wir damit versucht mit unserem Bargeld auszukommen, weil die ATMs anscheinen oft kein Geld mehr haben.


Von den Geldproblemen abgesehen, hatten wir aber eine wundervolle Zeit in El Chaltén. An einem Tag sind wir zum Cerro Torre gegangen und es hat sich gleich gezeigt, dass wir einfach noch zu verwöhnt waren von unserer Wanderung im Torres del Paine Nationalpark. Es waren deutlich mehr Menschen unterwegs und dadurch, dass es ein einfacher (aber langer) Weg war, waren hier auch viele Familien und generell langsamere Leute unterwegs, hinter denen wir uns auf den schmalen Wegen gedulden mussten. Leider war es hier auch so, dass die Tageswanderungen keinen Rundweg bildeten, sondern der selbe Weg zurückführte. Nachdem wir in den letzten Monaten so viel Übung beim Wandern hatten, war der Weg für uns also ein Klacks und wir waren deutlich schneller unterwegs als die Angaben suggeriert haben. Wir haben also lieber die Zeit genutzt um die Sonne und die Wärme aufzusaugen und die Ausblicke auf die Berge und den Gletscher zu genießen.


An einem anderen Tag sind wir zum Mirador Fitz Roy gewandert und wir haben versucht den besten Zeitpunkt abzupassen um eine möglichst klare Sicht auf den Fitz Roy zu haben, aber hier hatten wir leider weniger Glück als bei den Torres in Puerto Natales. Der Weg selbst war wieder richtig schön, führte an einer Lagune und einem Moorgebiet entlang und wir haben die Ruhe und die Sonne an einem Fluss kurz vor dem Aussichtspunkt genossen. Bis dorthin war der Weg zwar lang, aber super entspannt (für unsere trainierten Wander-Waden 🙂 ). Der letzte Kilometer hatte es aber in sich, da es dann noch einmal ein paar hundert Meter hoch ging zum Aussichtspunkt. Bis wir oben waren, hat uns unser Glück leider verlassen, da der Fitz Roy in Wolken verdeckt war. Auf dem Rückweg gab es dann aber noch einen weiteren Aussichtspunkt und bis wir dort angekommen sind, haben sich die Wolken verzogen und wir hatten zumindest von dort aus eine wundervolle Aussicht auf die Landschaft und die Berge.





Egal wie viele verschiedene Bergketten, -Spitzen und -Ketten wir sehen, der Anblick hat immer etwas erhabenes, wenn man sich bewusst wird, wie hoch die Berge eigentlich sind und wie weit die Entfernungen sind, selbst wenn die Berge aufgrund ihrer schieren Größe so nah wirken. Wenn man dann noch die Entfernungen und die Höhe auf den eigenen Füßen bezwingt und die Anstrengung in den Beinen merkt, wird einem erst bewusst, wie klein und unbedeutend man ist im Vergleich zur Natur. Jede neue Erfahrung führt dazu, dass wir lernen die Natur noch mehr wertzuschätzen.