Gestrandet in der Wüste

Nachdem wir uns in Mendoza mit Wein eingedeckt haben, ging es über die Anden zurück nach Chile, nach Santiago. Um ehrlich zu sein, hatten wir uns eigentlich vorgenommen südamerikanische Großstädte zu meiden, da man meist wenig gutes hört, aber Santiago war für uns auf dem Weg und der perfekte Ausgangspunkt für unseren nächsten Stop: die Atacama Wüste. Also haben wir dort auch ein paar Tage eingeplant, trotz der andauernden Unruhen. Dafür haben wir uns extra eine Unterkunft etwas abseits des Zentrums gesucht um den abendlichen Demonstrationen am Plaza Italia aus dem Weg zu gehen.

Der Weg von Mendoza nach Santiago war schon richtig schön, da wir die Anden überquert haben und die Aussichten aus dem Bus einfach der Wahnsinn waren. Ich glaube, ich könnte noch einmal 3-4 Monate in der Nähe der Berge verbringen und einfach nicht genug von ihrem Anblick bekommen. So kann auch eine recht lange und langweilige Busfahrt richtig schön werden. Etwas anstrengend war nur der Grenzübergang auf ca. 3.800m, wo wir unsere Rucksäcke zur Kontrolle herausholen und am Ende auch wieder selbst in den Bus hieven mussten – dem Busfahrer waren die großen Gepäckstücke zu groß, sodass wir sie selbst verstauen mussten…

Kurz hinter der chilenischen Grenze

In Santiago angekommen haben wir die Tage damit verbracht die Stadt zu erkunden. Wir sind im Zentrum spazieren gegangen, haben die verschiedenen Cafés und Restaurants genossen, sind in den ein oder anderen Laden gegangen mit besonders schönem Handwerk aus Chile und haben die Aussicht vom Cerro Santa Lucia im Zentrum, vom Cerro San Cristobal und vom Costanera Skyscraper genossen.

Die Stadt hat uns wirklich überrascht, weil es so viele schöne Ecken gab, die zum Verweilen einluden und wir uns gleich richtig wohl gefühlt haben. Natürlich sind wir der Versuchung auch erlegen und haben ein paar coole Sachen gekauft, sodass wir ein Paket nach Hause schicken mussten um unsere Rucksäcke etwas zu erleichtern.

Trotz der entspannten und coolen Atmosphäre in vielen Regionen der Stadt waren auch überall die Spuren der Unruhen zu sehen. Viele Gebäude waren gesperrt, viele Türen und Fenster – nicht nur im ersten Stock – waren zumindest vergittert oder sogar mit Holz versperrt und überall war Graffiti zu sehen. Einige U-Bahn Stationen waren sogar gesperrt, weil sie während der Unruhen im Oktober komplett zerstört wurden. Wir haben im Vorfeld gelesen, dass immer noch Proteste stattfinden und diese sich um die Plaza Italia konzentrieren und wir haben versucht, sie zu meiden und das hat in den Tagen auch gut geklappt.

Aus Santiago haben wir das erste Mal in Südamerika den Flieger genommen um nach Calama in der Atacama Wüste zu fliegen. Die Busstrecke wäre wieder sehr lang und die Flüge waren einfach so günstig, dass wir nicht widerstehen konnten. Für die Zeit dort haben wir uns außerdem ein Auto gemietet um die ganzen Landschaften bzw. Sehenswürdigkeiten rund um San Pedro de Atacama auf eigene Faust erkunden zu können. Wir hatten richtig Glück und haben eine bessere Autoklasse bekommen, als wir gebucht haben und hatten ein super bequemen Peugeot Möchtegern-SUV, der auch ein wenig Offroad Strecke abkann.

Wir sind also vom Flughafen in Calama direkt nach San Pedro gefahren und sind am Abend erst einmal in den Ort spaziert und ich habe mich gleich verliebt in San Pedro! Der Ort ist zwar sehr einfach: alle Straßen sind einfache Dirt Roads, die Häuser sind aus Lehm gebaut, aber es herrschte ein buntes Treiben, einige Häuser waren weiß gestrichen und überall waren bunte Auslagen in den Läden und Restaurants. Zusammen mit dem weichen Licht, das abends alles in Rot-Orange-Rosa getaucht hat, war es einfach atemberaubend. San Pedro selbst liegt auf einer Hochebene, aber rundherum konnte man sehen, wie noch eine weitere Ebene scheinbar aus dem Boden schoss und darauf waren noch einmal schneebedeckte Berge zu sehen. San Pedro liegt bei ca. 2.500m ü NN, das Plateau ist mit rund 4.000m noch einmal deutlich höher und die Berge ragen noch einmal so viel höher hinaus. Für uns aus Europa ist das einfach unvorstellbar und gerade in Hamburg kann man es ja schon Berg nennen, wenn es gerade einmal 100 Meter hochragt.

In den Tagen in San Pedro sind wir also ein wenig herumgefahren, haben uns Lagunen angeschaut, die Landschaft und die schönen Farben aufgesaugt – dabei hatten wir auch ein wenig Spaß mit dem Auto auf den Dirt Roads und es war so viel angenehmer und leiser als andere Autos mit denen wir ähnliche Touren schon gefahren sind.

Einmal sind wir extra mitten in der Nacht aufgestanden um zum Sonnenaufgang beim Tatio Geysir-Feld zu sein, was ca. 1,5 Stunden von San Pedro entfernt ist und eines der höchstgelegenen Geysire der Welt ist. Wir waren etwas schneller unterwegs als gedacht und waren die ersten im Park, aber es war noch komplett dunkel, sodass wir es leider nicht alleine genießen konnten und bis das erste Licht kam, hat sich der Parkplatz um uns herum schon gefüllt. Die Aussicht war trotz der Menschen richtig schön! Die Sonne ist hinter den Bergen aufgegangen und hat die Geysire in sanftes Licht gehüllt und wir konnten sie aus der Nähe bewundern. Sie schießen leider nicht richtig hoch, sondern brodeln im Boden und sprühen eher kleine Fontänen hoch, aber die schiere Anzahl der Geysire und heißen Wasserquellen ist beeindruckend.

Ein anderes Highlight waren das Valle de la Luna und das Valle de la Muerte, durch die wir mit dem Auto gefahren sind und immer wieder anhalten und kleine Runden gehen konnten. Die roten Felsformationen und Dünen sind super beeindruckend und wirklich nicht von dieser Welt. Leider ist es dort auch besonders heiß und die Sonne brennt förmlich auf die Erde hinunter, es gibt kaum Schatten und das Auto hat kuschelige 40°C angezeigt.

Die Sonnenuntergänge waren natürlich eine Klasse für sich, wir haben sie im Ort, am Rand der Stadt und von zwei verschiedenen Aussichtspunkten genossen und es war um mich geschehen. 🙂

Die Farben und die unendliche Weite von San Pedro haben mich wahnsinnig beeindruckt und auch wenn wir so viel Zeit wie möglich draußen verbracht haben und uns viel angeschaut haben, konnte ich nicht genug bekommen. Ebenso beeindruckend ist es, wie vielfältig Chile ist – von der kalten Schönheit im Torres del Paine Nationalpark bis hin zur trockensten Wüste der Welt haben wir hier so viel gesehen und es gibt ohne Zweifel noch viel mehr zu entdecken in Chile. Wäre es nicht so weit weg von Deutschland, müsste man auf jeden Fall öfter hinfliegen!

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